Rundgang

Die Ausstellung befand sich im Bibliothekssaal des Brüder Grimm-Museums im historischen Palais Bellevue. (Foto: Stein)

Das Deutsche Wörterbuch

Im Zentrum der Ausstellung stand das Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm, das bis heute das eindrucksvollste Zeugnis der Lexikographie in Deutschland darstellt. Das Wörterbuch sollte ein „Heiligtum der Sprache” begründen und den gesamten neuhochdeutschen Wortschatz „von Luther bis Goethe” aufnehmen.

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Blick in die Vitrine zur Geschichte des Deutschen Wörterbuchs unter anderem mit dem Vertrag zwischen Jacob und Wilhelm Grimm und der Weidmannschen Buchhandlung. (Foto: Stein)

Der erste Band des insgesamt 16 Bände in 32 Teilbänden umfassenden Werkes erschien 1854. Als Quellenbasis diente der neuhochdeutsche, überregionale Wortschatzes ab dem 15. Jahrhundert, hier insbesondere literarische Quellen. Jacob und Wilhelm Grimm selbst bearbeiteten lediglich die Buchstaben A bis F, genau genommen bis zum Wort Frucht. In den späteren Jahren wurde das Projekt von unterschiedlichen Wissenschaftlern fortgeführt, bis hin zu einer seltenen Ost- und Westdeutschen Kooperation.

DEUTSCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN Die Geisteswissenschaftliche Abteilung der Deutschen Akademie der  Wissenschaften arbeitet an der Fertigstellung des Grimm'schen Wörterbuches.  Die Zettel, "Exzerpte" genannt, werden im Archiv gesammelt, das mehrere  Millionen Zettel enthält. In jedem Karteikasten stecken etwa 1000 Zettel. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-13492-0006 / Fotograf: Schack / 5.2.1952
Die Geisteswissenschaftliche Abteilung der Deutschen Akademie der Wissenschaften arbeitet an der Fertigstellung des Grimm’schen Wörterbuches. In jedem Karteikasten stecken etwa 1000 Zettel.
Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-13492-0006 / Fotograf: Schack / 5.2.1952

Die Ausstellung gab einen Überblick über die mehr als einhundert Jahre dauernde Bearbeitungsgeschichte des Deutschen Wörterbuches. Vom Vertrag der Grimms mit der Weidmannschen Buchhandlung in Leipzig, über Belegzettel zu einzelnen Stichwörtern aus der „Wörterbuchwerkstatt“ der Brüder bis hin zur digitalen Fassung des Wörterbuches auf CD-ROM wurde die Entwicklung bis in die heutige Zeit dargestellt.

Vor den Brüdern Grimm…

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Blick in eine der Vitrinen zur Geschichte der deutschen Lexikographie. (Foto: Stein)

Weiter zeigte die Ausstellung die deutschsprachigen Lexika aus der Zeit vor Jacob und Wilhelm Grimm. Ursprünglich dienten Wörterbücher oder Glossare dem Verständnis lateinischer Texte und gingen folglich vom lateinischen Stichwort aus, welches in die deutsche „Volkssprache“ übersetzt wurde. Die Ausstellung zeigte hier beispielhaft das „Dictionarium Latinogermanicum“ von Petrus Cholinus und Johannes Frisius, welches erstmals 1541 erschien. Erst später wurde der deutschen Sprache ein eigener Wert zuerkannt und es begannen Bestrebungen, die Vielfalt des Deutschen in den Wörterbüchern abzubilden und sich gegenüber dem Latein abzugrenzen. Zu dieser Entwicklung ist Caspar Stielers „Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs, oder Teutscher Sprachschatz“ aus dem Jahr 1691 zu zählen.
Wörterbücher und Nationen

Wörterbücher und Nationen

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Blick in die Vitrine zur nationalen Bedeutung der Lexikographie. (Foto: Stein)

Bei der Beschäftigung mit dem Deutschen Wörterbuch wird auch der Zusammenhang von Sprache und Nation deutlich. Jacob Grimm erklärte in der Vorrede seinen politischen Anspruch, nämlich ein „heiligthum der sprache“ und „hehres denkmal des volks“ zu schaffen und damit letztendlich ein Nationalbewusstsein bei einem Volk zu erzeugen, das seinerzeit in vielen Kleinstaaten verteilt lebte.

Um die Zeit des Grimms entstanden einige weitere bedeutende Wörterbücher, allen voran Johann Christoph Adelungs „Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart“ aus den Jahren 1774-1786. Es handelt sich hierbei um das erste einsprachig deutsche Wörterbuch, in dem also die deutschen Stichwörter auch auf Deutsch erklärt werden. In der Ausstellung wurde die von Adelung überarbeitete und ergänzte zweite Auflage (1796-1801) ausgestellt.

Sprache als einendes Band

Blick in die Vitrine zu den Mundartwörterbüchern, unter anderem mit dem Wörterbuch der Kasseler Mundart von August Grassow und Paul Heidelbach. (Foto: Stein)
Blick in die Vitrine zu den Mundartwörterbüchern, unter anderem mit dem Wörterbuch der Kasseler Mundart von August Grassow und Paul Heidelbach. (Foto: Stein)

Nachdem sich eine hochdeutsche Standardsprache etabliert hatte, erschienen auch eine Reihe von Mundartwörterbüchern, die sich mit Dialekten der einzelnen Regionen beschäftigten. Die Ausstellung zeigte hier einen Überblick über die regionale Verteilung von Mundarten im deutschen Sprachraum anhand Karl Bernhardis „Sprachkarte von Deutschland“ aus dem Jahre 1844. Des Weiteren wurden einige Beispielwörterbücher ausgestellt, wie Johann Carl Dähnerts „Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart“ aus dem Jahr 1788 und Friedrich Carl Fuldas „Versuch einer allgemeinen teutschen Idiotikensammlung” von 1788.

Die Brüder Grimm und die Geschichte der Lexikographie